Buchvorstellung mit Jan Gerber: Das Verschwinden des Holocaust

Das Verschwinden des Holocaust. Zum Wandel der Erinnerung
Buchvorstellung und Gespräch mit Dr. Jan Gerber

03.09.2028, 19:00 Uhr
Stadtarchiv Dortmund, Märkische Straße 14, 44135 Dortmund

Die Erinnerung an den Holocaust schwindet. Seine Singularität wird zusehends infrage gestellt. Jan Gerber erinnert daran, dass sich die Erkenntnis von der Besonderheit des Verbrechens erst spät durchsetzte. Die Unterschiede zwischen Konzentrations- und Vernichtungslagern, zwischen Buchenwald und Birkenau, Belsen und Bełżec, waren lange kaum jemandem bewusst. Auch die Erinnerung begann zeitlich verzögert. Der Holocaust bewegte sich erst seit den Siebzigern aus den Vororten des Gedächtnisses an den Zweiten Weltkrieg in sein Zentrum.

Jan Gerber geht in seinem Buch »Das Verschwinden des Holocaust« den Ursachen dieser Entwicklung nach. Er fragt nach jenen Bedingungen von Erinnerung und Erkenntnis, die gegenwärtig zu erodieren scheinen. Dazu verbindet er die Gedächtnisgeschichte des Holocaust mit der Politik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf diese Weise werden die aktuellen Debatten über die Bedeutung des Holocaust, sein Verhältnis zu den Kolonialverbrechen und die Politik Israels historisch eingeordnet. Es entsteht eine integrierte Geschichte der Holocaust-Erinnerung.

Jan Gerber ist promovierter Politikwissenschaftler und habilitierter Historiker. Er ist Leiter des Forschungsressorts »Politik« am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow und Honorarprofessor für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Moderne jüdische Geschichte an der Universität Leipzig.

Am 3. September wird er sein Buch im Stadtarchiv Dortmund vorstellen. Eine Kooperationsveranstaltung der Mahn- und Gedenstätte Steinwache, der Auslandsgesellschaft.de und ADIRA. Der Eintritt ist kostenfrei.